Argumente
Warum sind wir gegen die Schlachthof-Erweiterung?
1. Die Schlachtfabrik verbraucht schon jetzt riesige Wassermengen in einer Region, die zunehmend unter Dürre leidet. Aktuell sind es über 200 Millionen Liter Wasser, die jedes Jahr aus dem Grundwasser entnommen werden – das ist halb so viel wie die umstrittene Tesla-Fabrik und mehr als 4.000 Menschen in Deutschland pro Jahr im Durchschnitt verbrauchen.[2]
Schon jetzt herrscht im Landkreis Grundwasserstress: Schon jetzt herrscht im Landkreis Grundwasserstress: Es wird so viel Grundwasser entnommen, dass Ökosystemschäden zu befürchten sind, und die Grundwasserbestände haben sich in jüngster Zeit bereits abgesenkt.[3] Weil der Klimawandel voranschreitet, wird das Wasser in Zukunft immer knapper werden. Wir können es uns nicht leisten, diese wichtige Ressource für die Profite der Tierindustrie zu verschwenden!
2. Wir können dem Unternehmen nicht trauen, sich an geltende Vorschriften zu halten. Bereits in der Vergangenheit ist der Schlachthof durch rechtswidriges Vorgehen aufgefallen. Mehrere Jahre wurden dort mehr Tiere geschlachtet, als genehmigt waren – insgesamt bis zu 89 Millionen Tiere [4]. Ebenso wurden Umbauten ohne Genehmigung vorgenommen, Bauanträge erst im Nachhinein gestellt.[5] Das Verwaltungsgericht Cottbus hat 2020 außerdem festgestellt, dass die gesamte Anlage über keine legitime wasserrechtliche Erlaubnis verfügte. Damit musste die damals schon einmal erfolgte Kapazitätserhöhung rückgängig gemacht werden.[6]
3. Die intensive Produktion von Fleisch verursacht große Umwelt- und Klimaschäden sowohl lokal als auch global und läuft Gefahr, neue Pandemien zu verursachen. Für Wiesenhofs Hühner wird Soja aus Übersee importiert, Gülle und Keime landen hier auf den Feldern und in den Mastanlagen können jederzeit neue Viren entstehen. Um die erhöhte Kapazität des Schlachthofs zu bedienen, müssen weitere stinkende Hühnerfabriken gebaut werden – teils sind sie wie in Reichenberg (MOL) womöglich schon geplant.[7] Diese Entwicklung läuft genau gegen die wissenschaftlichen Empfehlungen für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem.[8]
4. Die moderne Hühnermast bedeutet massives Leid für die betroffenen Tiere. Sie sind darauf gezüchtet, in wenigen Wochen ihr Schlachtgewicht zu erreichen. Herz-Kreislauf-System und Knochengerüst können kaum mithalten.[9] Verletzungen und Todesfälle sind normal und einkalkuliert – allein in den Mastanlagen, die an den Betrieb in Königs Wusterhausen liefern, sterben so pro Tag mehrere tausend Tiere.[10] Diejenigen, die bis zum Schlachttag durchhalten, werden in Kisten gequetscht und in Massenabfertigung verladen. Die „Betäubung“ mit Kohlendioxid verursacht Schmerzen, Atemnot und Panik.[11] So darf man mit fühlenden Lebewesen nicht umgehen!
Eine Erweiterung des Schlachthofs wäre aus all diesen Gründen eine Katastrophe.
Hinweis: Im Genehmigungsverfahren beim Landesumweltamt und der unteren Wasserbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald können zusätzlich direkte Einwendungen eingereicht werden – je mehr dort eingehen, desto besser! Informationen dazu gibt es in der Bekanntmachung vom 10.09.2025.
Quellen:
[1] MAZ, Landesamt für Umwelt Brandenburg. Die Zahl von 150.000 Hühnern ergibt sich aus dem Antrag, 375 Tonnen Lebensgewicht pro Tag bei durchschnittlich 2,5 kg schweren Hühnern. Es ist für uns unverständlich, warum in den Medien von nur 120.000 Hühnern die Rede ist.
[2] Plattform Schlachtindustrie; Daten zu Tesla: ZEIT, durchschnittlicher Wasserverbrauch von Menschen: Umweltbundesamt.
[3] BUND-Studie zu Wasserstress.
[4] FOEL (auf Basis kleiner Anfrage im Landtag).
[5] BI KW Stinkt’s
[6] BI KW Stinkt’s
[7] MOZ
[8] Müller/Schrode: Nachhaltiges Ernährungssystem, Bundeszentrum für Ernährung: Planetary Health Diet.
[9] Faba Konzepte
[10] In der Industrie sind „Verlustraten“ von 3 und mehr Prozent einkalkuliert. Quellen: Thünen Institut, Landwirtschaftskammer NRW. Bei 90.000 an einem Tag geschlachteten Tieren entspricht das 2.700 Tieren, bei 150.000 Tieren entspricht es 4.500 Tieren.
[11] Erst kürzlich hat eine Recherche in Großbritannien aufgedeckt, wie Hühner bei dieser Art der Betäubung leiden.
