Hintergrund
Was sind die Pläne?
Der PHW-Konzern (Wiesenhof) will die Produktionsmenge im Schlachthof in Königs Wusterhausen nahe Berlin fast verdoppeln, von bislang 190 Tonnen auf 375 Tonnen pro Tag. Bereits jetzt werden dort an einem Tag rund 90.000 Hühner geschlachtet. Diese Zahl soll auf 150.000 Hühner erhöht werden. Außerdem sollen schwerere Hühner geschlachtet werden.
Für die Erweiterung soll die Stadt Königs Wusterhausen einen Bebauungsplan aufstellen, der dem Unternehmen Planungssicherheit und Freiheiten für Umbauten geben würde. Zugleich hat das Unternehmen die Kapazitätserhöhung beim Landesumweltamt beantragt.
Was ist die Vorgeschichte?
Im Schlachthof Märkische Geflügelhof-Spezialitäten GmbH in Königs Wusterhausen, OT Niederlehme, wird Geflügel geschlachtet, zerlegt und verarbeitet. Die Geflügelprodukte werden unter dem Markennamen „Wiesenhof“ vermarktet, welcher zur LOHMANN & Co. Aktiengesellschaft gehört.
Am 25.04.2016 beantragte die Betreiberin, die Märkische Geflügelhof-Spezialitäten GmbH, eine Genehmigung für eine Ausweitung der Kapazität von durchschnittlich 120.000 Tieren auf 160.000 Tiere, zu Spitzenzeiten auf 240.000 Tiere am Tag. Tierfabriken Widerstand organisierte im November 2016 einen Bürgerinformationsabend, Einwendungswerkstätten, Protestkundgebungen und die BI KW stinkt´s gründete sich.
Später stellte sich heraus: Bereits 2015 fuhr Wiesenhof den Betrieb auf die beantragte Kapazität hoch. Der Beschluss des Verwaltungsgerichts Cottbus vom Januar 2018 stellt fest, dass Wiesenhof bereits seit Februar 2015 täglich 155.000 Tiere schlachtet. Das Landesumweltministerium hat am 7.02.2018 Anzeige gegen das Unternehmen Märkische Geflügelhof-Spezialitäten GmbH (MGS) erhoben. Strafverfolgungsbehörden ermitteln wegen Verstoßes gegen § 327 StGB (unerlaubtes Betreiben von Anlagen) ermitteln.
Das Genehmigungsverfahren nach BImSchG wurde im November 2018 durch das Landesumweltamt positiv beschieden, wogegen wir Widerspruch erhoben.
2020 stellt das Verwaltungsgericht Cottbus fest, dass die Erweiterung illegal erfolgte.
Wiesenhof legte Rechtsmittel ein und unterlag 2021 vor dem Oberverwaltungsgericht dennoch wieder: unsere David-BI hatte den Goliath-Konzern besiegt!
Tiere als Ware
Wiesenhof versuchte auf dem Rechtsweg die Akteneinsicht und die Herausgabe amtlicher Dokumente zur Schlachtdokumentation konsequent zu verhindern. Aber nach mehreren Jahren mussten die Dokumente zugänglich gemacht werden und die Bürgerinitiative wertete die Zahlen vom 01.10.2018 – 31.12.2019 aus.
2,1% der an den Schlachthof gelieferten Tiere sind nicht “verwertet” worden. 2,1% …. in Relation gesehen eine kleine Zahl, doch sind dies über eine Million Tierleben!
2019 wurden insgesamt 37.775.699 Tiere in Niederlehme angeliefert. Von diesen Tieren starben 81.325 Tiere auf dem Transport. An zehn heißen Sommertagen mit Temperaturen über 32°C starben allein auf dem Transport jeweils über 1.100 Tiere. Auch an zwei kalten Tagen mit Temperaturen unter -5°C ist die Zahl signifikant höher. Bei 282.043 Tieren wurde eine tiefe Dermatitis festgestellt.
824.310 Tiere sind in den Schlachtprotokollen als „verworfen“ dokumentiert. Der „Verwurf“ wurde für 608.790 Tiere dem Mäster zugeschrieben und 215.520 Tiere dem Schlachthof. Die Branche mag argumentieren, dass dies Zahlen in Relation zur Gesamtmenge „übliche“ oder „sehr gute“ Zahlen sind. Doch absolut ist die Zahl von zu Tode gequälten Tieren schrecklich hoch.
Bauen ohne Genehmigung
Mitte 2015 wurde eine Halle mit einer Nutzfläche von 2.500 m2 für die Lebendgeflügelannahme angebaut. Damit ging der Umbau der Produktionshalle mit Schlachtung und Betäubung einher. Der Bauantrag ist erst nachträglich gestellt worden. Im Februar 2017 wurde, wieder nachträglich, eine Baugenehmigung für eine offenbar bereits bestehende bauliche Erweiterung der Bratfertigung beantragt, welche 2020 genehmigt wurde.
Wasserhunger und nachlässige Wasserentsorgung
Anfang 2011: mehrerer Leckagen in der Abwasserdruckleitung des Schlachthofs verursachen blutige, stinkende Pfützen mit Schaumkronen im Wald hinter dem Betriebsgelände, welcher unmittelbar an ein Trinkwasserschutzbereich angrenzt. Durch Besichtigungen vor Ort, Presseberichte und Anfragen der späteren BI KW stinkt´s wird im März 2012 auf Veranlassung der Unteren Wasserbehörde Dahme-Spreewald die Leckagen behoben.
Zwei Rohre, durch welche das Regenwasser vom Betriebsgelände abgeleitet wurde, enden oberirdisch am Zaun des Geländes. April 2017 hatte sich dort ein nach Verwesung stinkender Sumpf gebildet. Durch Anfragen der BI KW stinkt´s untersagt der Landkreis Dahme-Spreewald diese Art der Versickerung. Zugleich wurden viele weitere Mängel im Umgang mit belastetem Wasser auf dem Betriebsgelände festgestellt, u.a. im Bereich der LKW-Desinfektion.
Im September 2015 wurde der Bau eines zweiten Brunnens und eine annähernde Verdoppelung der Grundwasserentnahme auf max. 1,5 Millionen Liter am Tag (zuvor max. 0,8 Mio. l/Tag) beantragt und im Oktober 2015 genehmigt. Die BI KW stinkts legt über einen Rechtsanwalt 2016 Widerspruch gegen die Wasserrechtliche Erlaubnis von 2015 für den zweiten Brunnen ein. Für diesen hätte das Koordinierungsgebot gelten müssen und damit eine Genehmigung im BImSchG Verfahren. Im September 2020 stellt das Verwaltungsgericht Cottbus fest, dass es an einer vollziehbaren wasserrechtlichen Erlaubnis für die Trink- und Brauchwasserentnahme für den Schlachtbetrieb fehlt.
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Informieren und spenden: „BI KW stinkt’s – Keine Erweiterung der Wiesenhof-Schlachtfabrik“ auf betterplace.org öffnen.
